Konsumenten die ökologisch- und sozialverträglich einkaufen wollen, brauchen glaubwürdige Informationen zu den Produkten. Die Transparenz der Produktionskette von Textilien und eine unabhängige Kontrolle sind die Grundlage für ein glaubwürdiges Siegel. Im Rahmen der Zertifizierung werden Standards gesetzt und deren Einhaltung kontrolliert. Immer mehr Unternehmen lassen Ihre Produkte hinsichtlich sozialer und ökologischer Kriterien zertifizieren und tragen ein entsprechendes Siegel. Im Folgenden stellen wir Ihnen Siegel vor, die für Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards stehen. Weitere Einzelheiten zu den Standards der Siegel erfahren Sie auf den jeweiligen Internet-Seiten.
Nationale Fairtrade Labelling-Initiativen gründeten 1997 FLO-I, um die Zertifizierung fair gehandelter Produkte international anzugleichen. Weltweit sind über 1950 Lizenznehmer bei FLO-I registriert. Für Produkte aus Fairem Handel gibt es das Fairtrade-Siegel. Sie werden von der FLO-CERT GmbH in Abständen von ein bis drei Jahren geprüft. Zu den wichtigsten Kriterien gehören der direkte Handel mit den Produzentengruppen unter Ausschluss von Zwischenhändlern, die Zahlung von Mindestpreisen, die über dem Weltmarktniveau liegen, die Zahlung von Prämien, die Vorfinanzierung sowie langfristige Lieferbeziehungen. Außerdem sollen die Betriebe möglichst umweltverträglich arbeiten. Seit 2007 sind Produkte aus Fair Trade zertifizierter Baumwolle auch auf dem deutschen Markt erhältlich.
Die Fair Wear Foundation (FWF) zielt darauf ab, menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsindustrie zu schaffen. Die FWF, 1999 in den Niederlanden gegründet, ist eine Initiative von Unternehmensverbänden der Bekleidungsindustrie. Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Kooperationspartnern soll eine übergreifende europäische Zertifizierung etabliert werden. Bekleidungsunternehmen die dem „Arbeitsverhaltenskodex der FWF“ zustimmen können Mitglied der FWF werden. Zu dem Kodex gehört u. a. die Einhaltung der ILO Kernarbeitsnormen. Die FWF zertifiziert die Einhaltung des Kodex von der Zulieferkette bis hin zum Endprodukt.
International Fair Trade Assocation (IFAT) wurde 1989 als ein Zusammenschluss von Fair Handels-Organisationen gegründet. Die weltweit 270 Mitglieder bestehen aus Produzentengruppen oder Händlern aus dem Süden, Händler aus dem Norden und Hilfsorganisationen, die ganz oder teilweise im Fairen Handel tätig sind. Ziele von IFAT sind die Verbesserung von Marktchancen für benachteiligte Produzenten, die politische Einflussnahme im Welthandel und die Sicherstellung der Glaubwürdigkeit von Fair Handels-Organisationen. Die Mitglieder von IFAT verpflichten sich einen Verhaltenskodex einzuhalten, der die Partizipation der Arbeiter garantiert, ausbeuterische Kinderarbeit ausschließt, angemessene Arbeitszeiten und faire Entlohnung sicherstellt. Neben den Sozialnormen enthält der Kodex auch Bestimmungen zum Umweltschutz und einem nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Zur Kontrolle der Einhaltung des Verhaltenkodexes hat IFAT ein Monitoring-System aufgebaut.
Made-by ist ein „Dach-Label“ mehrerer niederländischer Modeanbieter, von denen auch einige Kleidung auf dem deutschen Markt anbieten. Initiator des Labels war die niederländische Nichtregierungsorganisation „Solidaridad“. Ziel ist die Vermarktung von Textilien, die ökologisch und unter Einhaltung von Sozialstandards hergestellt wurden. Die Made-by gelabelten Produkte, erhalten einen „Blue Button“. Außerdem sind sie mit einer Code-Nummer gekennzeichnet, anhand der die gesamte Produktionskette des einzelnen Kleidungsstücks über das Internet (www.made-by.org) nach verfolgt werden kann.
Social Accountability International (SAI) wurde 1996 gegründet. Ziel ist es, weltweit gültige Systeme zur Überprüfung sozialer Mindeststandards zu entwickeln und zu zertifizieren. Die Norm SA8000 ist ein von der SAI entwickeltes Zertifizierungsverfahren, das soziale Standards in der Arbeitswelt regelt.
Eine Internationale Arbeitsgruppe entwickelte einen Standard für biologische und sozialverträgliche Textilien. Seit 2005 liegt die erste Fassung des Global Organic Textile Standard (GOTS) vor. Er beinhaltet neben den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Regeln zur Behandlung von Bio-Fasern und umweltverträglicher Herstellung von Textilien. Das Siegel gibt es in zwei Varianten: für Produkte mit mindestens 70% Bio-Fasern und mit mehr als 95% Bio-Fasern. Zertifizierer sind die vier Mitgliedsorganisationen IVN (Deutschland), Soil Association (Großbritanien), Organic Trade Association (USA) und Japan Organic Cotton Association (Joca). GOTS versteht sich als ein Mindeststandard.Die Zertifizierer können darauf aufbauend auch eigene Siegel weiterentwickeln.
NATURTEXTIL ist ein Qualitätszeichen des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft (IVN). Kriterien des Siegels sind neben der Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) die Verwendung von ökologisch unbedenklichen Fasern und der Verzicht auf Chlorierung und anderen umweltschädlichen Chemikalien. In jeder Produktionsstufe wird die Einhaltung der Kriterien vor Ort von der unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft. Das Naturtextil Siegel gibt es in zwei Stufen: IVN Zertifiziert (orange) und IVN Best (Blau). Das IVN Best Siegel beinhaltet strengere Sozialstandards.
Skal ist eine niederländische Nichtregierungsorganisation (NRO) die Bioprodukte mit dem EKO-Siegel auszeichnet. Sie wurde 1985 gegründet. Die Kontrolle umfasst alle Bereiche der Produktion und des Handels biologischer und gentechnikfreier Produkte in den Niederlanden und Importe aus außereuropäischen Ländern. Zu den kontrollierten Produkten gehört auch Baumwolle. Die Einhaltung der EKO-Kriterien wird durch unabhängige Inspektoren kontrolliert.
ETI ist ein Verhaltenskodex der sozialverträgliche Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Lebensmittelindustrie und im Gartenbau garantieren soll. Die Initiative wurde 1998 von verschiedenen Nichtregierungsorganisationen (NGO), Unternehmen, Gewerkschaften und der britischen Regierung gegründet.
Die FLA setzt sich für die Verbesserung der weltweiten Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie ein, sowie in allen Branchen, die in Lizenz für amerikanische Universitäten produzieren. FLA wurde 1998 von der US-Regierung unter Präsident Clinton gegründet.
JO-IN evaluiert die unterschiedlichen Ansätze für Sozialverhaltenkodizes. JO-IN wurde 2003 von ETI (Ethical Trading Initiative – siehe oben) gegründet und ihr gehören unter anderem die Clean Clothes Campaign und die Fair Labor Association an. Die Mitgliedsorganisationen versuchen einen gemeinsamen Verhaltenskodex zu entwickeln.
Der ATO (Alternativ Trade Organisation)-TÜV basiert auf einer Selbstauskunft der Importorganisationen. Eine Arbeitsgruppe des WLDV schreibt diese in regelmäßigen Abständen an und bittet um die Beantwortung eines Fragebogens. Diese Selbstauskunft der Importorganisationen wird auf der Grundlage der „Konventionen der Weltläden“ bewertet. Den ATO-TÜV veröffentlicht der WLDV in Form einer Lose-Blatt-Sammlung.